TRIUMPH WÜRZBURG
Dienstag, 25. Juni 2019

Kurztipps zum Umgang mit allen Widrigkeiten

Auf große Tour mit dem Motorrad - ein Traum. Allerdings gilt: Wer das Abenteuer liebt muss sich extremen Naturgewalten stellen. Das ist zum einen der Reiz an der Geschichte, kann jedoch auch zum großen Verhängnis werden. Damit das eben nicht passiert präsentieren wir euch einige Tipps, zusammengetragen von Kevin und Julia Sanders, die derzeit den Guinness-Weltrekord für die schnellste Erdumrundung mit dem Motorrad halten.


Höhe

Die schönsten Strecken der Welt findet man im Gebirge. Das ist einfach so. Früher oder später werden findet man sich in großen Höhen (auch über 2.400 m) wieder. 

  • Wenn Du zu schnell zu hoch hinaus willst, riskiest Du die Höhenkrankheit. Deshalb langsam an die Höhe heran, genug Wasser trinken und Alkohol vermeiden.
  • Lassen Dir Zeit. So kannst du die schöne Aussicht länger genießen und vermeidest Fehler, die in der Hast passieren können.
  • Ein gutes Motorrad kommt mit Höhe klar. Die modernen Triumph Tiger Modelle beispielsweise sind ideal für große Höhen. Sie starten und fahren problemlos selbst auf 5.340 m Höhe und mit minderwertigem Treibstoff. Ein älteres vergasergespeistes Motorrad bringt möglicherweise weniger Leistung, hat einen schlechten Spritverbrauch und bläst schwarzen Rauch aus dem Auspuff.
  • Die Höhe wirkt sich auf den Reifendruck aus. Häufige Prüfung des Reifendrucks im Gebirge ist daher notwendig.

Wind

  • Starker Wind ist ein echter Albraum - stell' Dich darauf ein, um keine Überraschungen zu erleben. 
  • Gegenwind ist laut, treibt den Spritverbrauch in die Höhe und macht müde, ganz egal, welche Windschutzscheibe Du verwendest. Den Treibstoff ganz genau im Auge zu behalten ist in abgelegenen Gebieten durch den unerwartet hohen Verbrauch sehr ratsam.
  • Rückenwind trägt Dich vor sich her und umgibt Dich mit einer merkwürdigen Stille, macht Dich jedoch manchmal auch schneller, als es Dir lieb ist, ohne dass Du es bemerkst.
  • Konstanter oder böiger Seitenwind ist ein echter Nervtöter - verdammt schwer zu handeln, und er weht alles davon was nicht festgezurrt ist.
  • Finde heraus, aus welcher Richtung der Wind kommt und positioniere Dich in Richtung des Windes. Wenn er dann zuschlägt hast Du mehr Platz, um über die Fahrbahn geweht zu werden ohne dabei auf die falsche Straßenseite zu gelangen.
  • Bleibe eher in einem niedrigen Gang, um mehr Flexibilität und Zugkraft zu haben. Gegenlenken kann auch helfen, indem man Druck auf den Lenker ausübt und sich so gegen den Wind stemmt.

Schotter

Schotter gibt es in allen möglichen Formen, Größen und Tiefen - Je tiefer der Schotter ist, desto schlimmer… insbesondere mit einem voll beladenen Motorrad.

  • Wenn man sich auf die Fußrasten stellt, verlagert sich der Schwerpunkt nach unten und das Bike ist auf beweglichem Untergrund stabiler. 
  • Wenn die Straße felsig oder von Schlaglöchern durchzogen ist, ist die Aufhängung voll beweglich, ohne so stark nach unten gedrückt zu werden, wie es in sitzender Position der Fall wäre.
  • Die Standposition bietet auch bessere Sicht, sodass Du leichter die ideale Fahrlinie ausfindig machen kannst.
  • Achte vorne auf leichtes Gewicht, damit die Maschine nicht einsinkt. Und denke daran: Auf kräftigen Schwung kommt es an, nicht auf hohe Geschwindigkeiten. Wichtig ist, kontinuierlich weiterzufahren.
  • Auf Schotterstraßen locken oft einladende Reifenspuren. Wenn man ihnen folgt, kann man jedoch auf die falsche Straßenseite geleitet werden und muss dann den in der Mitte liegenden Berg loser Kieselsteine überwinden, um wieder auf die richtige Seite zu gelangen. Bring' das Vorderrad so weit wie möglich in einen 90-Grad-Winkel und bleib' in dieser Stellung. 
  • Erdrutsche bestehen aus losen Felsen und kleinen Steinen - liegen sie schon eine Weile dort, können Sie eine durch Verdichtung entstandene Spur darstellen.
  • Vorsicht in Kurven - dort, wo sich der Schotter angehäuft hat, legst Du das Gewicht auf die äußere Fußraste, lehnst das Motorrad in die Kurve und verlagerst das Gewicht nach außen - so haben die Reifen mehr Grip.

Sand

Für manche der schlimmste Albtraum… – und das Paradies für jeden Dakar-Aspiranten und Offroad-Enthusiasten. 

  • Konzentriere Dich auf ein leichtes Gewicht vorne und fahre mit dem Bike stetig vorwärts. Ignoriere Deinen Verstand - er wird Dir dazu raten, das Gas zu drosseln, doch dann sinkt die Schnauze es Motorrads ein.
  • Sei nicht zu selbstsicher - unerfahrene Fahrer schubsen das Motorrad vielleicht lieber mit den Füßen an oder schieben es durch kurze sandige Abschnitte.

Schlamm

Werde zum Schlammexperten. Es gibt viele unterschiedliche Schlammarten, vom heimtückischen und matschigen Morast über schwere Tonerde bis zu überraschend griffigem und harschem Schlamm.

  • Ab auf die Fußrasten - achte auf eine lockere Steuerung und eine gleichmäßige Fahrweise ohne scharfe oder plötzliche Manöver, die zu starkem Rutschen führen würden.

Schnee und Eis

  • Möglichst vermeiden - eine dünne Schicht frisch gefallener Neuschnee ist jedoch leichter zu bewältigen, wenn man sich hinstellt.
  • Tiefer, nasser Schnee, der von den anderen Fahrzeugen aufgeschichtet wurde, kann zwar durchfahren werden, verlangsamt jedoch das Bike und erfordert möglicherweise zwischendurch ein Anschieben mit den Füßen.
  • Langsames und gleichmäßiges Fahren - nicht übersteuern. Sollte Deine Maschine über ABS verfügen, dann schalte die Funktion aus.
  • Beachten den Wind und die Lufttemperaturen. Besteht die Gefahr von Überfrierungen und Eisglätte?
  • Wie ist die gefühlte Windkälte? Starker Wind kann komprimierten Schnee in Eis verwandeln - dann hast Du ein großes Problem. Wäge sorgfältig ab, ob Du nicht umkehren oder absteigen und zu Fuß gehen solltest.

Flussdurchquerungen

  • Auf den Boden kommt es an. Der Zustand des Flussbetts ist entscheidend. Ist es sehr weich, riskiert man das immer tiefere Einsinken des Bikes. Liegen Felsen im Wasser? An welcher Stelle kann ich am anderen Ufer wieder herausfahren?
  • Erst schauen, dann losfahren. Beobachte andere Fahrzeuge beim Durchqueren des Flusses und erkundige Dich bei den Ortsansässigen. Sollten Zweifel bestehen ist es ratsam die Passage zu Fuß abzugehen.
  • Luftzufuhr nicht vergessen. Vergewissere Dich, wo sich an Deinem Bike der Lufteinlass befindet - dort darf kein Wasser hineingelangen, sonst ist die Reise zu Ende.
  • Bleiben Deiner Linie treu. Behalte den Ausfahrtspunkt im Auge, halte das Bike in Bewegung sowie die Drehzahl oben und lasse die Kupplung schleifen. Orientiere Dich an einer gleichmäßigen schnellen Gehgeschwindigkeit. Bist du unsicher, mit welchem Untergrund und welcher Stromstärke Du es zu tun hast? Halten Dich stromaufwärts - sollte Dein Motorrad untergehen, dann Du wenigstens nicht selbst mitgerissen.

Generell gilt: Vorbereitung ist (fast) alles. Sorgfältige Planung und gute Gebietskenntnisse reduzieren die Gefahr, mit Extrembedingungen konfrontiert zu werden. Außerdem hilt Üben, üben, üben. Schließlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Je besser Du auf die verschiedensten Situationen vorbereitet bist, desto mehr kannst du dein ganz persönliches Abenteuer genießen.

Viel Spaß bei deinem nächsten Abenteuer!

Quelle: Motorradfahren unter Extrembedingungen - Triumph - For the Ride

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